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Veröffentlicht am: 29.07.09

Uropas Noten aufgehoben

Lehe (sus). „Bremerhob’n, Wesermünn’ ahoi!“ Eine kernige Liebeserklärung an das alte Bremerhaven hat er verfasst – jener unbekannte Musiker, nach dem Chorleiter Norbert Braune im Juni über die NORDSEE-ZEITUNG suchen ließ. Nach dem Mann – und nach den Noten, die verschütt gegangen zu sein schienen. „Die hab‘ ich“, sagt Ingo Winter. „Theodor Krieghoff war mein Uropa.“

Shanty-Spezialist Braune jubelt. „Nach dem Artikel hab ich 15 Hinweise bekommen.“ Und die Krieghoff-Noten sind aufgetaucht: „Einer der Anrufer war Ingo Winter, der uns die Noten überlässt. Wir hoffen, zur Sail 2010 das Bremerhaven-Lied aufzuführen.“ 1938 ist es geschrieben worden – von dem Komponisten, Marineoffizier und Kapellmeister, dessen Spur von Urenkel Ingo – kein Musiker, sondern Elektroinstallateur – derzeit akribisch nachverfolgt wird. „Meine Oma hat oft die Lieder ihres Vaters Theodor gespielt, auf dem Akkordeon und an der Orgel“, sagt der 38-Jährige. Die alten Notenbände haben auf Großmutter Sylvas Dachboden in Wanhöden die Jahrzehnte überdauert. Fotos steuerte Winters Großonkel Wolfgang Krieghoff bei – und Erinnerungen. „Uropa Krieghoff“, erzählt Winter, „ist 1879 in Ufhoven in Thüringen geboren, wurde Musiker und kam 1898 als Kapellmeister an das Theater-Orchester Bremerhaven.“ Seit 1867 gab es hier ein Theater im „Volksgarten“ an der Geeste. Doch Krieghoff hielt es nicht lange, „1899 meldete er sich zur dritten Matrosen Artillerie Lehe und wurde Musikleiter des Regiments in Kiautschou.“

China. 1898 hatte das fernöstliche Kaiserreich dieses Gebiet an das Deutsche Reich verpachtet. Bis 1902 blieb Krieghoff dort, kehrte heim, blieb im Ersten Weltkrieg in Geestemünde stationiert und komponierte gegen die Weltuntergangsstimmung an: „Es lebe das Leben!“ Sein Militär-Dienst endete 1919. Danach arbeitete er als Chorleiter und Musiklehrer, schrieb heimatverbundene und schmissige Lieder wie den ‚Eckener Marsch‘ für Salonorchester zu Ehren des Zeppelin-Konstrukteurs Hugo Eckener. „Anfang der 30er“, hat Winter recherchiert, „lebte er im Hotel Metropol in Lehe, „zusammen mit dem Kapellmeister des Schnelldampfers ‚Bremen‘.“ Anfang der 40er floh der Musiker vor den Bomben nach Radebeul – und starb dort 1946. Gut 60 Original-Noten hat sein Urenkel nun sorgsam archiviert. „Dass die einmal alle wieder öffentlich erklingen, wäre so ein Traum von mir.“

Die NORDSEE-ZEITUNG erzählt, was Leser mit ihren „kuriosen“ Lieblingsstücken verbindet. Kontakt: 597-290.

Die handgeschriebenen Liedernoten und den Silberdeckel eines Bierkrugs mit militärischer Widmung hütet Urenkel Ingo Winter (rechts) auch für seinen Sohn Steffen (9) als Erinnerung an Urahn Theodor Krieghoff. Foto: sus


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