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Veröffentlicht am: 17.01.15

Adressen sorgen fĂĽr Wirbel

Wurster Nordseeküste von Online-Portalen nicht als Wohnort anerkannt – Marineflieger scheitern bei Post

Von Heike Leuschner

Wurster Nordseeküste. Der Ärger über die neuen Adressen in der Wurster Nordseeküste hält an: Nachdem die vor gut sieben Wochen gestartete Online-Petition „Nein zum einheitlichen Namen Wurster Nordseeküste“ bislang gut 2200 Unterstützer zählt, stellen die Bewohner der neuen Einheitsgemeinde inzwischen auch ganz praktische Probleme mit ihrem „neuen“ Wohnort fest.

Insbesondere Online-Portale können mit der neuen Adresse nichts anfangen. So wird eine Bestellung beim Online-Händler Amazon unter der Anschrift Wurster Nordseeküste von dem Unternehmen bislang verweigert, weil das Adresssystem den Ortsnamen nicht kennt, berichtet ein Midlumer Unternehmer. Außerdem habe es seine Versicherungsgesellschaft bislang abgelehnt, die Adresse von Midlum auf Wurster Nordseeküste umzustellen. „Meinen Ausweis lasse ich mal lieber noch nicht ändern“, unkt der Mann, der oft in den Niederlanden unterwegs ist. „Womöglich wird man bei einer Ausweiskontrolle im Ausland stutzig und nimmt mich erst mal fest, bis meine Anschrift geklärt ist.“

Der Midlumer ist sauer – nicht, weil Midlum jetzt postalisch unter Wurster Nordseeküste firmiert und er seine Firmenunterlagen für einen vierstelligen Betrag auf die neue Adresse umrüsten muss, sondern weil dieser Name noch nicht überall akzeptiert wird. Auch die Länge des Namens macht ihm zu schaffen: „Der passt auf keinen handelsüblichen Firmenstempel.“

Der neue Bürgermeister der gerade fusionierten Gemeinde, Marcus Itjen (parteilos), hat den Namen zwar nicht mit aus der Taufe gehoben, findet ihn aber passend, weil er sowohl den Landstrich als auch die Tourismusregion charakterisiere. 2011, als Nordholz und Land Wursten nach einem neuen Namen gesucht hatten, waren auch andere Alternativen wie Gemeinde Wurster Land oder Gemeinde Dorum-Nordholz im Gespräch. „Aber keine war mehrheitsfähig“, erinnert Itjen.

Auch die Länge ist kein Einzelfall. Timmendorfer Strand enthält gerade einen Buchstaben weniger als Wurster Nordseeküste und Schloß Holte-Stukenbrock sogar noch drei mehr.

Wollte man die Gemeinde umbenennen, müssten dafür zwei Gesetze – über die Neubildung der Gemeinde und das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz – geändert werden. Im ersten hat der Landtag den neuen Gemeindenamen beschlossen; im zweiten, dem Kommunalverfassungsgesetz, ist festgeschrieben, dass der Name einer Gemeinde erst nach zehn Jahren geändert werden kann, wenn er durch ein Gesetz festgelegt wurde. Itjen hält es für unwahrscheinlich, dass der Landtag zu den erforderlichen Gesetzesänderungen bereit wäre.

Ein einheitlicher Name sei für eine Einheitsgemeinde laut Itjen nicht verzichtbar (siehe Beverstedt, Loxstedt, Schiffdorf, Hagen). Anders in einer Samtgemeinde (Land Hadeln). Doch die Einheitsgemeinde Wurster Nordseeküste in eine Samtgemeinde umzuwandeln, schließt der Bürgermeister „als nicht durchsetzbar“ aus.

Das will Matthias Annis, Initiator der Online-Petition „Nein zum einheitlichen Namen Wurster Nordseeküste“, auch gar nicht erreichen. Er könne mit dem neuen Namen leben, sagt der Wremer, auch wenn er ihn eher für eine Gebietsbezeichnung als für einen Gemeindenamen hält. Sein Ärger gilt vielmehr den Vorgaben der Post, die neue Postleitzahl zwingend mit dem neuen Gemeindenamen zu verbinden. Seine Initiative macht sich dafür stark, die neue Postleitzahl mit den alten Ortsbezeichnungen zu erlauben. Doch die Post will es anders, da sie ihre Sortiermaschinen auf Wurster Nordseeküste umprogrammiert habe. Wer sich nicht daran hält, so Postsprecherin Maike Wintjen, müsse damit rechnen, dass die Post zu spät oder gar nicht beim Empfänger ankommt.

„Starre Haltung der Post“

Annis ärgert sich über die aus seiner Sicht unnötig starre Haltung der Post. „Ich glaube einfach nicht, dass Verteilmaschinen nicht mit der neuen Postleitzahl in Verbindung mit den alten Ortsbezeichnungen arbeiten können.“

Selbst die Marineflieger sind bei der Post mit ihrem Anliegen, die angestammte Anschrift „Nordholz“ behalten zu dürfen, auf Granit gestoßen. „Wir haben es versucht“, berichtete Kommandeur Hans-Jörg Detlefsen beim Neujahrsempfang der Marineflieger am Freitag. Ohne Erfolg. Bei der Post sei man noch strenger als bei der Bundeswehr.

Auf Straßenschildern dominieren die Ortsnamen; auf Briefen will die Post nur noch „Wurster Nordseeküste“ lesen. Fotos Ulich/Leuschner/Montage Gefers


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