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Veröffentlicht am: 26.01.17

Flaue Bewertung entmutigt nicht

Reaktionen auf Patienten-Befragung: Nordenhamer und Braker Krankenhaus sehen sich auf dem Weg nach oben

Von Ellen Reim

und Gabriele Gohritz

Nordenham/Brake. Unterdurchschnittlich zufrieden sind die Patienten, wie gestern in der Kreiszeitung berichtet, mit der Qualität der Krankenhäuser in Nordenham und Brake. Beim Nordenhamer Klinik-Betreiber Helios setzt man darauf, dass mit dem Umzug in den Neubau vieles besser wird. Der Geschäftsführer des Braker St.-Bernhard-Hospitals sieht für sein Haus „Luft nach oben“.

Für die Helios-Klinik Wesermarsch hatten Befragungen der Krankenkassen AOK und Barmer GEK schwache Werte ergeben: 67 Prozent Weiterempfehlungsrate, 78 Prozent Zufriedenheit mit der ärztlichen Versorgung, 76 Prozent mit der Pflege und 71 Prozent mit Organisation und Service. Auf Anfrage der Kreiszeitung nahm Pressesprecherin Anja Brandt gestern Stellung zu den Werten.

„Die vorliegenden Befragungen stammen aus der Zeit von August 2014 bis Juli 2016. In diesem Zeitraum befand sich die Klinik in einer schwierigen Umbruchphase, die mit einer Verunsicherung der Patienten und der Mitarbeiter einherging und sich deutlich in den Zahlen der Klinikbewertung widerspiegelt“, stellt sie fest. Derzeit bewege man sich mit neuen medizinischen Strukturen und dem Neubau in Esenshamm qualitativ nach vorne.

Anja Brandt geht davon aus, dass eine Beurteilung heute deshalb bereits positiver ausfalle als noch im vergangenen Jahr. Das hätten eigene Befragungen ergeben. „Wir sehen in den letzten Monaten eine deutlich positive Tendenz. Wir sind daher sehr optimistisch, dass wir bei zukünftigen Befragungen besser abschneiden werden.“ Seit der Übernahme der Nordenhamer Klinik arbeite Helios an einer Verbesserung der Betreuungsqualität. Die Ergebnisse von Patientenbefragungen seien wichtig, da sie aufzeigten, wo noch Verbesserungsbedarf besteht. „Das spornt uns an“, so Anja Brandt.

Sie verweist auf die Einrichtung einer neuen Kardiologie und die Ausweitung der Inneren Medizin um die Bereiche Gastroenterologie, Diabetologie und Hepatologie. Eine deutliche Verbesserung werde zudem der Umzug in die neue Klinik bringen. Anja Brandt: „Für unsere Mitarbeiter verbessern sich die Arbeitsbedingungen, und dies werden auch die Patienten spüren.“

„Medizinisch ist das Nordenhamer Krankenhaus nicht schlechter als andere Kliniken“, sagt Dr. Tilman Kaethner. Er ist niedergelassener Arzt in Nordenham und Vorsitzender des Ärztevereins Butjadingen. Aber: „Die Klinik hat eine schwere Zeit hinter sich.“

Es habe mehrfach Besitzerwechsel gegeben, Ärzte mit Renommee seien in den Ruhestand oder an andere Kliniken gegangen. Es sei schwierig gewesen, die Stellen zu besetzen, weil über Jahre nicht klar gewesen ist, ob und wie es weitergehen wird in Nordenham. Da sehe er nun, wo der Umzug ins neue Haus kurz bevorsteht, bessere Zeiten kommen. „Jetzt beginnt eine neue Zeit. Es tut sich was, es gibt neue Leute, und auch die Atmosphäre wird besser werden“, ist Tilman Kaethner überzeugt.

Helios sei ein finanzstarker Konzern und habe mehr Möglichkeiten als andere, betont er. Er sieht auch Brake nicht schlecht aufgestellt. „Das ist ein kirchliches Haus, da nehmen die Leute an, die Atmosphäre sei anders. Es gab dort auch keine Umbrüche.“

„Wir können mit dem Ergebnis unter den gegebenen Bedingungen zufrieden sein“, sagt Ingo Penner, Geschäftsführer des St.-Bernhard-Hospitals in Brake zu den Patientenbefragungen. „Und es bleibt Luft nach oben für uns.“ Dass 81 Prozent der Befragten mit ärztlicher Versorgung und Pflege zufrieden seien, „ist nach Schulnoten eine 2“, so Ingo Penner. „Es ist für uns ein Ansporn, noch höher zu kommen.“

Zentrale Notaufnahme

77 Prozent der Befragten empfehlen die Klinik weiter. „Das ist sicherlich ausbaufähig“, gibt Ingo Penner zu. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 82 Prozent. Die Renovierung der Zimmer und die Schaffung einer zentralen Notaufnahme seien Ziele in diesem Bereich. „Wir bekommen auch bei unserer eigenen Befragung der Patienten zu hören, dass das nicht ganz optimal ist.“ Bisher gibt es getrennte Aufnahmen, was zu Wartezeiten und damit Ärgernis führe. Daher soll noch in diesem Jahr eine zentrale Notaufnahme im Erdgeschoss für alle ambulanten Patienten geschaffen werden.

Insgesamt, so der Geschäftsführer, stehe die Klinik als ein Haus der Grundversorgung „schon gut da, besonders im Vergleich zu den Maximalversorgern“. Er betont: „Durch unsere familiäre Atmosphäre im Haus können wir hier alles etwas persönlicher gestalten als in manch anderer Klinik.“ Die Ergebnisse der Kassen decken sich seiner Aussage nach fast mit denen des Hospitals.

Sonnt sich in der Anerkennung durch die Patienten: Das St.-Bernhard-Hospital in Brake. Archivfoto Gohritz


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