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Veröffentlicht am: 09.05.17

72-Jähriger kommt zur 1000. Dialyse

Manfred Oeltjen fährt dreimal die Woche mit dem Taxi zum St.-Bernhard-Hospital und hat dabei seine Partnerin kennengelernt

Brake. Dreimal die Woche fährt Manfred Oeltjen ins St.-Bernhard-Hospital. Vier Stunden liegt der 72-Jährige im Bett, während sein Blut „gewaschen“ wird. Von Giftstoffen, die seine Nieren nicht mehr verarbeiten können. Am Montag ist der Rentner zu seiner 1000. Dialyse in die Nephrologie-Abteilung der Klinik gekommen – und mit einem Blumenstrauß überrascht worden.

„Wie die Zeit vergeht“, sagt Manfred Oeltjen. Das erste Mal zur „Blutwäsche“ kam der Rentner aus Berne am 21. Dezember 2010. Seitdem fährt der ehemalige Fleischer, der in Elsfleth gearbeitet hat, dreimal die Woche nach Brake. Mit dem Taxi.

So hat er übrigens auch seine Partnerin Helga Hagen (77) kennengelernt. Sie hat ihn früher immer gefahren – als Taxifahrerin. Seit sechs Jahren sind sie nun zusammen.

16 Dialyse-Plätze gibt es in der Abteilung, sechs im Erdgeschoss, zehn in der oberen Etage. Auch an diesem Montag sind alle Betten belegt. 36 Patienten aus der ganzen Wesermarsch kommen regelmäßig ins Hospital, um sich der Dialyse zu unterziehen. Eine Behandlung dauert vier Stunden. Die Dialyse ist ein Verfahren zur Blutreinigung. Über eine Membran wird eine Flüssigkeit gegen den Blutstrom gepumpt. Das dünne Häuchen filtert das, was im Blut an Übermaß vorhanden ist, zum Beispiel Harnstoffe, heraus – eben alles, was die Nieren nicht mehr entgiften können. Das Blut – ein Mensch hat vier bis sechs Liter – läuft mehrfach durch. So werden bis zu 60 Liter Blut gefiltert.

Dabei wird auch Wasser entzogen, denn viele Patienten können kein Wasser mehr lassen, wie die stellvertretende Stationsleiterin Uilkje Huisman sagt. Neben den Dialyse-Plätzen gibt es auch die große Ambulanz, in der Patienten mit Blutdruck- und Nierenproblemen versorgt werden.

Langweilig wird es Manfred Oeltjen während der Dialyse nicht. „Es gibt ja Fernsehen. Und man schnackt.“ Denn die Patienten, die mit Essen versorgt werden und deren Blutdruck gemessen wird, kennen sich mittlerweile gut untereinander. Und auch das Team der Fachkrankenschwestern und -pfleger, die sich um sie kümmern. „Besser geht es nicht“, bescheinigt Manfred Oeltjen ihnen. „Es geht mir gut, was will ich mehr“, sagt der 72-Jährige, der sich mit seiner Krankheit arrangiert hat.

Hat ein Patient Geburtstag, gibt es Blumen. Und auch bei Jubiläen wird ein großer Strauß ans Bett gebracht. „Eine 1000. Dialyse ist auch für uns etwas besonders“, sagt Uilkje Huisman. (gg)

Manfred Oeltjen ist am Montag zu seiner 1000. Dialyse ins Braker Hospital gekommen. Die stellvertretende Stationsleiterin Uilkje Huisman und Arzthelferin Tanja Harrius (von links) ĂĽberreichten einen BlumenstrauĂź. vd


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