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Veröffentlicht am: 25.08.17

Tumorkonferenz fĂĽr Patienten

Darmzentrum des Hospitals steht vor der Zertifizierung – Beim Kampf gegen Krebs ist Vorsorge wichtig

Von Ursel Kikker

Brake. Das Darmzentrum des St.-Bernhard-Hospitals lässt sich zertifizieren. Im nächsten Jahr erwarten Chefarzt Dr. Jan Henrik Herrfurth und seine Kollegen den Bescheid. Die Patienten profitieren schon heute davon. Beim Kampf gegen den Krebs kommt es entscheidend auf die Vorsorge an.

„Wir können hier im St.-Bernhard-Hospital auf eine große Expertise zurückgreifen“, sagt Jan Henrik Herrfurth und verweist auf die sieben Fachärzte, die sich um die Patienten kümmern. Einmal in der Woche gibt es eine Tumorkonferenz. Dazu setzt sich ein interdisziplinäres Team aus Viszeralchirurgen, Gastroenterologen, Onkologen, Pathologen, Radiologen und Strahlentherapeuten zusammen. Bei der Tumorkonferenz wird jeder Patient vorgestellt und der für ihn beste Behandlungsweg festgelegt. „Erst danach wird operiert“, unterstreicht Jan Henrik Herrfurth. Nur Notfälle seien Ausnahmen.

Solche Tumorkonferenzen sind – wie viele weitere Punkte – wichtig für die Zertifizierung des Darmzentrums. Die macht viel Arbeit und ist teuer. Wenn sie so vieles ihren Patienten schon bieten, warum wünschen sie sich dann noch diese Anerkennung? „Das ist für uns ein Qualitätszeugnis“, sagt das Medizinerteam. Immerhin würde ihre Arbeit von Externen kontrolliert. Außerdem würden strukturierte Abläufe etabliert, neue medizinische Erkenntnisse eingebaut und das Personal intern wie extern fortgebildet. Jan Henrik Herrfurth: „Man sieht den Erfolg im Team. Das ist wie ein innerer Motor.“

Qualitätsmanager Helmut Diez spricht zudem die Bedeutung von Kommunikationspfaden für ein zertifiziertes Zentrum an. Sie hätten sie zwar noch nicht gebraucht, aber im Zweifel gebe es auch eine Komplikationsbesprechung, nennt er ein Beispiel.

In diesem Jahr sind nach eigenen Angaben alle Darmkrebspatienten, die im Braker Krankenhaus bisher operiert worden sind, ohne Komplikationen entlassen worden. Mit rund 50 Krebsfällen rechnen Jan Henrik Herrfurth und seine Kollegen im Jahr. Das Darmzentrum bietet den Patienten mehr als die rein medizinische Betreuung: Auch Angebote wie Ernährungsberatung oder eine Psycho-Onkologie zur Bewältigung seelischer Probleme helfen den Betroffenen weiter.

Selbsthilfegruppe geplant

Mit niedergelassenen Ärzten besteht eine enge Zusammenarbeit. Außerdem möchten die Mediziner eine Selbsthilfegruppe für Tumorerkrankte anschieben. Im Oktober wollen sie zu einem Gründungstreffen ins St.-Bernhard-Hospital einladen. Im nächsten Jahr ist ein Darmkrebsvorsorge-Tag anvisiert.

Die Vorsorge spielt auch bei einem öffentlichen Vortrag des Darmkrebszentrums am Dienstag, 5. September, eine wichtige Rolle. Das hat einen ernsten Hintergrund: „Die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen scheint rückläufig zu sein“, sagt Ronny Köhler, Facharzt für Allgemeinchirurgie am St.-Bernhard-Hospital. Die Darmspiegelung (Koloskopie) hat sich als sehr effektive und treffsichere Methode zur Früherkennung von Darmkrebs erwiesen. Die wird ab einem Alter von 55 Jahren von Krankenkassen bezahlt. Bei erhöhtem Risiko, zum Beispiel bei familiärer Vorbelastung, wird eine Vorsorge schon früher empfohlen.

Arbeiten daran, dass das Darmzentrum am St.-Bernhard-Hospital zertifiziert wird (vorne, von links): die Ärzte Dr. Jan Henrik Herrfurth, Ronny Köhler und Tobias Martens sowie (hinten) Qualitätsmanager Helmut Diez.Kikker


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