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Veröffentlicht am: 20.12.17

Erfolgreich im Traumberuf

Unter der Ägide von Dr. Peter Janka sind am Krankenhaus 7800 Gelenke ersetzt worden – Ruhestand

Von Gabriele Goohritz

Brake. Eigentlich wollte Dr. Peter Janka Internist werden. Eher durch Zufall kam er zur Chirurgie: „Ich bin dabei geblieben, weil es so faszinierend ist.“ Seit fast 27 Jahren ist er Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am St.-Bernhard-Hospital, hat diesen Fachbereich erfolgreich auf- und ausgebaut. Zum Jahresende geht der 65-Jährige nun in Ruhestand. Sein Nachfolger steht schon fest.

Im Jahr 1991 war Peter Janka nach drei Jahren als Tätigkeit als Oberarzt an der Orthopädie-Fachklinik Hessisch-Lichtenau nach Brake gekommen. Hier war aus ehemals zwei Kliniken das Hospital an seinem jetzigen Standort entstanden. „Es war alles neu und attraktiv“, sagt Peter Janka. Den Fachbereich Orthopädie und Unfallchirurgie gab es bislang nicht. „Ihn aufzubauen, war die reizvolle Aufgabe.“

Aber auch mit Schwierigkeiten verbunden: „Ich kam von einer großen Fachklinik, wo ich alles vorgefunden habe, wie die vielen nötigen Instrumente zum Beispiel“, erinnert sich Peter Janka. Hier musste erstmal alles angeschafft werden. Und auch die Vorbehandlung und die Nachsorge eines Patienten geregelt werden. „Ich habe die Handhabungen mühsam auf der Schreibmaschine getippt und vervielfältigt“, erzählt der 65-Jährige.

Bereits im Jahr 1992 wurden unter seiner Leitung mehr als 100 künstliche Hüft- und Kniegelenke bei Patienten implantiert. Insgesamt waren es während seiner Zeit als Chefarzt 7800 künstliche Gelenke. Davon waren 7600 Hüft- und Kniegelenke. Die restlichen 200 waren Schulter-, Ellenbogen- und Sprunggelenke. „Wir bieten inzwischen alles an“, sagt der Facharzt.

Außergewöhnlicher Fall

An einen außergewöhnlichen Fall erinnert er sich gut: Ein Patient hatte am Oberarm einen seltenen Tumor, von dem weltweit nur vier Fälle beschrieben waren. In einer sechsstündigen Operation konnte der Tumor entfernt und der Arm dank künstlicher Implantate von Schulter, Oberarm und Ellbogen erhalten werden.

Der Schwerpunkt liegt auf den Eingriffen an Hüfte und Knie. Da hat sich die Klinik einen guten Ruf erworben. Dank Peter Janka: „Ich habe das Krankenhaus mitgestalten können“, sagt er.

„Dr. Janka hat früh erkannt, dass an der Klinik ein Endo-Prothetik-Zentrum gegründet werden sollte“, berichtet Maxi Kahl, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Seit dem Jahr 2013 ist das Hospital als Endo-Prothetik-Zentrum zertifiziert.

Das Team umfasst neben Peter Janka drei Oberärzte und vier Assistenzärzte. Denn seit 1991 ist Peter Janka auch als sogenannter Durchgangsarzt der Berufsgenossenschaft für Arbeitsunfälle zuständig. 2720 Fälle waren es im vergangenen Jahr. „In diesem Jahr gehen wir auf 3000 Fälle zu“, sagt Peter Janka. „Wir sind bundesweit eine der größten Durchgangspraxen. Es gibt einen 24-Stunden-Dienst im Haus.“ Die Durchgangsarztstelle am Hospital wird auch weiterhin gewährleistet: Der neue Chefarzt hat die Zulassung dafür.

Bis Freitag ist Peter Janka, der auch 14 Jahre lang ärztlicher Direktor des Hospitals war, noch in der Klinik. „Meinen Rentenausweis habe ich schon bekommen“, schmunzelt er. Als Ruheständler möchte er sich künftig seinen Hobbys widmen: lesen, reisen, musizieren. Sein Cellospiel möchte er wieder aufnehmen. Das hatte er irgendwann eingestellt. „Als Chirurg ist man oft mental erschöpft nach den stundenlangen Operationen. Man denkt darüber nach, ob man alles richtig gemacht hat.“

Berufswahl nicht bereut

Trotz aller Anstrengungen und Veränderungen: Peter Janka hat seinen Traumberuf gefunden, würde immer wieder Chirurg werden: „Man sieht schnell die Erfolge, wenn der Patient mit einem künstlichen Gelenk nach zwei Tagen wieder laufen kann.“ Der scheidende Chefarzt weiß aber auch, dass junge Kollegen oft zwischen den Anforderungen des Berufs und der Familie abwägen. Hinzu komme, dass sich dass Patientenverhalten geändert habe, die Klagefreudigkeit nimmt zu: „Das ist auch ein Grund, warum immer weniger jüngere Kollegen Chefarztpositionen anstreben.“

„Dr. Janka hat das Hospital groß und bekannt gemacht. Es ist eine Ära, die endet“, sagt Maxi Krahl. Peter Janka betont, dass das Hospital wirtschaftlich gut dastehe: „Ich bedauere, die Früchte nicht mehr ganz ernten zu können“, sagt der Mediziner mit Blick auf die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, die nun angepackt werden. „Es sollte das Bemühen aller sein, dieses Haus mit diesem Träger zu erhalten“, sagt Peter Janka. „Er lässt uns als Chefärzte patientenorientiert arbeiten.“

14 Jahre lang war Peter Janka ärztlicher Direktor des St.-Bernhard-Hospitals. Nun geht er in den Ruhestand. Neuer ärztlicher Direktor ist Dr. Jan Henrik Herrfurth, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie.Gohritz


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