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Veröffentlicht am: 18.06.18

Ein ganz eigener Sound

„Do not forsake me, oh my Darling“, begann Frontmann Hans Narva: „Ich fürchte mich nicht vor dem Tod.“ Von Anfang an trafen in einer vielschichtigen Collage Textzitate und Sprachen aufeinander, wurde zusammengefügt, was eigentlich nicht zusammenpasst. Ein bisschen Nick Cave und jede Menge Bass, leise brummend klang der erste mächtige Songbrocken im HerzschlagRhythmus aus. „Wo ich lebe, will ich nicht sterben. Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“

„I want to stay where I’ve never been before“ – der Sänger wechselte wieder ins Englische, seine Begleiter in den Modus Rockbandlautstärke. Falk Schönfelder an den Tasten, Ivan Paisrt am Bass und Alexander Lode am Schlagzeug konnten sanft oder brachial. Gitarrist Sepp Härtl und Cellist Jakob Enderlein spielten sich die Soli zu. Die ungewöhnliche Besetzung kreierte einen eigenen Sound, neben ruhigen Passagen mit meditativem Charakter standen krachende Momente, die nicht nur vom Tempo her an Hans Narvas Punk-Vergangenheit in der DDR erinnerten.

Setlist auf der Serviette
Der Cellist glitt flirrend durch die Lagen, der Mann an den Tasten groovte und der Bass hatte sich zum Glück mal etwas zurückgenommen: Vom Märchen ging es zum offenen Fenster und zum Regen in der Nacht. „Brothers in Arms“, las Narva von der auf eine Serviette geschriebenen Setlist ab und suchte zwischendurch den Kontakt mit dem Publikum. „Sehr laut!“, war dort eine Meinung. „Nee, genau gut!“, riefen andere. „Nach der Pause kommt der noch lautere Teil“, versprach der Hands Up – Excitement!-Sänger beiden Parteien und griff selbst zur Gitarre.

„It is better to burn out than to fade away“ – aus dem Neil-Young-Zitat entwickelte sich ein Song, der mit Versatzstücken jonglierte und die Band am Ende tatsächlich wie Crazy Horse klingen ließ. Das nächste schöne Intro, die Musiker stiegen nach und nach ein, die hohe Intensität und Wiederholungen mit kleinen Variationen sorgten für den Spannungsbogen. „Take me away“, sang Hans Narva, und über all der Melancholie, dem Schmerz und der Dunkelheit stieg im Pferdestall einmal mehr für einen kurzen Augenblick die Sonne auf. „Und kaputte Dinge funktionieren ohne Reparatur.“


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