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Veröffentlicht am: 28.12.19

Herzstück der Kardiologie

Vergleichbare Labors gibt es bislang nur in Bremen, Bremerhaven und Oldenburg. Daher ist das Hospital stolz auf den Ausbau seiner Kardiologie. Mit dem Labor in Brake werden die Wege für Patienten aus und in der Wesermarsch und damit im Notfall auch für den Rettungsdienst kürzer. Angeboten werden künftig die interventionelle Kardiologie und die invasive Elektrophysiologie sowie die Device-Therapie, das Einsetzen von Herzrhythmus-Implantaten. Auch akute Gefäßverschlüsse sollen rund um die Uhr behandelt werden. „Bis auf Aortenklappen, die nur bei chirurgischer Begleitung möglich ist, können wir alles behandeln“, sagt Andreas Reents.

Herz und Gefäße
Die Herzkatheteruntersuchung ist ein Verfahren zur Darstellung von Herz und Gefäßen. Und zur Druckmessung. So können krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen, des Herzmuskels oder des Herzens erkannt werden. Verengungen oder Verschluss wie zum Beispiel bei einem Herzinfarkt können behandelt werden. Über Arm oder Bein wird der Katheter unter Röntgenkontrolle eingeführt und ein Kontrastmittel injiziert. Stents können über Ballonkatheter genau platziert werden.

Das Herzkatheterlabor ist in einem alten ambulanten OP im Erdgeschoss entstanden - direkt neben der Notaufnahme. So kann im Notfall schnell geholfen werden. Herzstück ist ein Gerät zur Erzeugung von Röntgenbildern. In Echtzeit entstehen 3D-Bilder von Gefäßen, erklärt Andreas Reents. Auf einem großen Bildschirm haben die Kardiologen alle Informationen auf einen Blick: „Wir können auch CT-Bilder einspielen.“ Bewusst habe man einen langen Tisch ausgesucht, um gut an alle Gefäße eines Patienten zu gelangen. Und das Gerät ist schwenkbar: „So können wir auch die Diagnostik gleich mitmachen“, sagt der Kardiologe.

Das Labor ist wie ein OP, bietet eine sterile Umgebung und ist und klimatisiert: Für für die Ärzte, die in Schutzkleidung oft stundenlang in Einsatz sind, besonders im Sommer eine Entlastung.

Neben dem Labor gibt es einen Kontrollraum mit zehn Monitoren. Hier wird alles online verfolgt und kontrolliert, das Team verständigt sich über Headphones. „Wir haben heute Rechner, mit denen es möglich ist, Eingriffe in kurzer Zeit und mit weniger Risiko für den Patienten zu machen“, sagt Andreas Reents.

Terminkalender gut gefüllt
Die Tage bis zu den ersten Eingriffen nutzen er und sein Team, um sich mit der Handhabung mit dem modernen Gerät, laut Hospital eines der ersten seiner Art im Nordwesten, noch vertrauter zu machen: „Wir brauchen die Zeit für Trockenübungen und zum Gewöhnen.“ Am 2. Januar kommen die Patienten. Der Chefarzt berichtet, dass der Terminkalender schon gut gefüllt ist.

Mittelfristig soll eine 24-Stunden-Herzkatheter-Bereitschaft im Hospital installiert werden, ein Kardiologe wird immer Dienst haben und stets erreichbar sein. Das Labor soll an sieben Tagen besetzt sein. Zum Team gehören neben Andreas Reents als Oberärzte der ehemalige Chefarzt Jörn Glock, Dr. Jörg Rehlinghaus (Intensivmediziner), Dr. Waheeb Ghazzawi und Dr. Georgios Sinos. Ein fünfter Kardiologe wird am Mai dazustoßen.

„Die Versorgung wird rund um die Uhr für die Wesermarsch gesichert sein“, sagt Ingo Penner. Er überreichte am Freitagvormittag offiziell den Schlüssel für das Herzkatheterlabor an Andreas Reents – mit der Gravur „Schlüssel zum Erfolg“.

Jörg Rehlinghaus ergänzt, dass das Labor auch für Rettungsdienst und Notärzte ein Vorteil sei: „Wenn man mit einem Patienten 35 Minuten durch den Berufsverkehr in eine andere Stadt fahren und dann noch zurück muss, steht man über eine Stunde nicht für den Notdienst zur Verfügung. Das Labor hier ist schon ein großes Plus.“ Etwa alle zwei bis drei Tage habe der Rettungsdienst einen Patienten, den er in ein Haus mit Herzkatheterlabor bringen muss.


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