Abo Anzeigen Service Über uns


Veröffentlicht am: 11.07.20

Klinik ist Adipositas-Zentrum

Unter Adipositas versteht man krankhaftes Übergewicht. Adipositas nimmt in Deutschland zu. Das Team an der Klinik – OP-Personal, Pfleger, Anästhesisten und Gastroenterologen – hat sich für die Behandlung der Patienten speziell ausbilden lassen, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden, sagt Chefarzt Dr. Jan Henrik Herrfurth. Es wurde eine Adipositas-Ambulanz aufgebaut, Astrid Bahlmann ließ sich zur Fachkoordinatorin ausbilden und ist Ansprechpartnerin. Stühle in der Klinik sind für ein Gewicht von 300 Kilogramm ausgelegt, es gibt Bettenlifte, spezielle Rollstühle und große Duschen. Denn die Fallzahlen steigen.

Im vergangenen Jahr gab es gut 80 Patienten, die operiert wurden. „In diesem Jahr werden es über 100 sein“, sagt Jan Henrik Herrfurth. Nur er und Dr. Thomas Fox dürfen, weil sie die spezielle Qualifikation haben, die Operationen vornehmen. Um sich als Zentrum zu qualifizieren, müssen zwei Jahre in Folge mindestens 50 Operationen erfolgen. Der Anforderungskatalog ist groß. Allein für die externe Qualitätssicherung ist eine Mitarbeiterin zuständig.

„Mit dem Zertifikat wird die Qualität nach außen dargestellt, externe Auditoren schauen drauf“, betont Helmut Dietz, Leiter des Qualitätsmanagements am Hospital. Und auch, dass die Adipositas-Patienten hier ganzheitlich betreut werden.

Viele Kooperationspartner
Denn: „Die Operation selber ist der kleinste Bestandteil der Therapie“, sagt Jan Henrik Herrfurth. Dabei wird den Patienten ein Magenschlauch, ein Magenballon oder ein Magenbypass gelegt. Wichtig sei das Therapiekonzept, das Ernährung, Sportprogramm und auch psychologische Gutachten umfasst. Dafür hat das Hospital zahlreiche Kooperationspartner.

Das Programm umfasst ein halbes Jahr, dann kann die OP nach Kostenzusage durch die Krankenkasse erfolgen. Verpflichtend für die Patienten: die Nachsorge. Sie kommen nach fünf Tagen wieder, dann nach vier Wochen, später in bestimmten Monatsabständen – und dann über acht Jahre lang jährlich. „Wenn man die Nachsorge als Klinik nicht anbietet, bekommt man kein Zertifikat“, sagt der Chefarzt. Das muss in drei Jahren erneut abgelegt werden.

Er weiß, welchen Leidensdruck die übergewichtigen Menschen haben, die alleine nicht mehr abnehmen können, sich zu Hause einschließen. Adipositas führt zu zahlreichen Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Verschleiß der Gelenke. „Durch die Operation erfolgt nicht nur ein Gewichtsverlust, sondern die Folgekrankheiten verschwinden“, sagt Herrfurth. Viele der Patienten sind auch nicht mehr berufsfähig. Durch die Behandlung können sie wieder berufstätig werden. Herrfurth nennt als Beispiel einen Fall, in dem sich das Gewicht durch Operation und Therapie um 130 Kilogramm fast halbierte.

„Die Patienten brauchen eine gute Betreuung“, sagt der Chefarzt. Die müssen übrigens nach der Operation lebenslang Nahrungsergänzungsmittel nehmen: „Wir machen hier bei der Nachsorge auch die Blutuntersuchung.“ Seit zwei Jahren nimmt die Klinik auch Bauchdeckenstraffung vor. „Komplettpaket“ nennt Jan Henrik Herrfurth das Angebot der Braker Klinik. Sie ist eine der wenigen, die sich inzwischen auf Adipositas-Patienten spezialisiert hat.

Durch Besuche in Selbsthilfegruppen haben die Ärzte das Behandlungsangebot bekanntgemacht. Und auch solche Gruppen initiiert. Die Patienten, zwischen 18 und 68 Jahre alt, kommen nicht nur aus der Wesermarsch, sondern auch aus dem Ammerland, Bremen, Bremerhaven und sogar aus Hannover. „Wir haben schon ein weites Einzugsgebiet“, sagt Jan Henrik Herrfurth. Und auch: „Keiner hat die Operation bereut. Die Patienten haben einen hohen Gewinn an Lebensqualität.“


Artikel drucken    |    Zurück